von Henrike Lau
Fünf Tage ohne Strom, Heizung und warmes Wasser, und das mitten im Winter. Für etwa 20.000 Haushalte und mehrere hundert Betriebe in Berlin war das Anfang dieses Jahres kein Albtraum, sondern bittere Realität. Grund für diesen weitreichenden Stromausfall war ein mutmaßlich linksextremistischer Anschlag auf ein zentrales Stromkabel.
Neben Mitgefühl für die betroffenen Menschen löst dieser Vorfall Sorgen aus, auch bei der CDU-Fraktion im Rat: „Verwaltung und Netzbetreiber müssen für einen derartigen Fall gewappnet sein und unverzüglich reagieren können.“, fordert Maximilian Oppelt, Sprecher der Fraktion im Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Grünflächen.
KLARTEXT hat sich umgehört: Wie sicher ist die Stromversorgung in Hannover? Und wer hilft im Notfall?
Jochen Vennemann, Pressesprecher bei enercity, ist von der Robustheit des Stromnetzes in Hannover überzeugt: „Aufgrund der industriellen Prägung der Region ist das Netz von Beginn an auf höchste Zuverlässigkeit ausgelegt. Unser Hochspannungsnetz übertrifft in vielen Bereichen sogar den n 1 Standard und gewährleistet damit einen stabilen Betrieb selbst bei Ausfällen einzelner Leitungen oder Transformatoren.“
Doch auch so ein leistungsfähiges Netz sei nicht vollständig vor terroristischen Anschlägen geschützt. Daher überprüfe enercity fortlaufend die Netzinfrastruktur anhand aktueller Gefährdungslagen, führe Stresstests durch und lasse die Erkenntnisse in den Netzausbau einfließen. Gleichzeitig treibe enercity die Digitalisierung voran, um die Netze künftig noch besser überwachen und im Ernstfall noch schneller reagieren zu können.
Der lokale Stromversorger setzt wo immer möglich auf unterirdische Leitungsführung und verstärkt kontinuierlich seine Sicherheitsmaßnahmen, auch auf Grundlage der Erfahrungen anderer Netzbetreiber (wie Stromnetz Berlin) und den zuständigen Behörden. „Und für außergewöhnliche Störfälle stehen stets Notstromaggregate bereit“, beruhigt Vennemann.
Auch das Technische Hilfswerk (THW) sei mit seinen unterschiedlichen Einheiten und einer Fülle an Spezialtechnik für verschiedenste Einsatzszenarien bestens vorbereitet, sagt Pierre Graser vom THW Hannover/Langenhagen. Die Möglichkeiten der Hilfeleistung sind vielfältig: So kann Strom in Gebäude eingespeist, Notunterkünfte wie in Berlin, Wärmestuben und Trinkwasserausgabestellen errichtet und betrieben werden.

Die Einsatzfähigkeit des THW in Deutschland sei jederzeit vollständig gewährleistet, so Graser. „Wenn das THW Hilfsgüter wie Notstromerzeuger in andere Länder liefert, dann stammen diese nicht aus der eigenen Einsatzausstattung, sondern werden speziell für diese Lieferungen beschafft.“ Wenn wir anderen Ländern helfen, schmälert das also nicht die Einsatzfähigkeit des THW bei uns vor Ort. Auch wenn Stromversorger und THW in Hannover gut auf das unwahrscheinliche Szenario eines Stromausfalls wie in Berlin vorbereitet sind: Jeder sollte selbst für den Ernstfall vorsorgen. Wie das geht, erläutert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf seiner Internetseite. Dort können Sie auch die Broschüre bestellen „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“.