Dezentrale Angebote stärken, zentrale Steuerung verbessern
Hannover ist eine vielfältige Großstadt mit sehr unterschiedlichen sozialen Lebenslagen. Diese Vielfalt erfordert ein differenziertes, wohnortnahes Hilfesystem. Soziale Angebote müssen dort verfügbar sein, wo die Menschen leben – in den Quartieren, in den Stadtteilen und im direkten Lebensumfeld der Betroffenen.
Wir wollen deshalb den Grundsatz stärken: Hilfe muss zu den Menschen kommen – nicht umgekehrt. Beratungsangebote sollen stärker mobil organisiert werden – mit verlässlichen Strukturen, festen Zeiten und festen Ansprechpartnern. Vorbilder wie die mobile Stadtbibliothek zeigen, wie solche Angebote effizient und niedrigschwellig umgesetzt werden können.
Gleichzeitig braucht eine moderne Sozialpolitik eine klare strategische Steuerung. Wir wollen deshalb die Einrichtung eines verbindlichen Abstimmungsgremiums zwischen Stadtverwaltung und allen relevanten Trägern der sozialen Arbeit einrichten. Ziel ist eine bessere Koordinierung der Angebote, eine regelmäßige Bewertung ihrer Wirkung und eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen.
Darüber hinaus setzen wir uns für eine zentrale Steuerung sozialpolitischer Querschnittsaufgaben beim Oberbürgermeister ein. Eine entsprechende Stabsstelle soll zentrale Herausforderungen wie die Bekämpfung von Obdachlosigkeit und Einsamkeit oder sozialer Teilhabe ressortübergreifend koordinieren und strategisch weiterentwickeln.
Einsamkeit wirksam bekämpfen
Einsamkeit ist längst kein Randphänomen mehr, sondern betrifft Menschen aller Altersgruppen – von jungen Erwachsenen bis zu Seniorinnen und Senioren. Sie gefährdet Lebensqualität, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Wir wollen die bereits angestoßene „Lokale Strategie gegen Einsamkeit“ konsequent weiterentwickeln und mit konkreten Maßnahmen hinterlegen. In den Quartieren sollen vernetzte Angebote entstehen, die Begegnung ermöglichen, soziale Kontakte fördern und niedrigschwellige Unterstützung bieten. Öffentlichkeitskampagnen gegen Einsamkeit sollen regelmäßig durchgeführt werden, um das Thema sichtbar zu machen und Hemmschwellen abzubauen.
Suchtpolitik neu ausrichten
Die Herausforderungen im Bereich der Sucht nehmen zu und erfordern eine klare, realistische und wirksame Strategie. Wir unterstützen die Entwicklung eines „Suchthilfeplans 2030“, erwarten jedoch, dass dieser konkrete Antworten auf bestehende Problemlagen liefert.
Unser Ziel ist eine Suchtpolitik, die Prävention, Hilfe und Ordnung sinnvoll miteinander verbindet. Dabei müssen sowohl neue Entwicklungen – etwa im Zusammenhang mit der Cannabisfreigabe – als auch bewährte internationale Ansätze berücksichtigt werden. Hilfsangebote müssen passgenau, erreichbar und wirksam sein, gleichzeitig darf der öffentliche Raum nicht sich selbst überlassen werden.
Obdachlosigkeit konsequent reduzieren
Obdachlosigkeit ist eine der sichtbarsten sozialen Herausforderungen unserer Stadt. Wir unterstützen das Ziel, sie langfristig zu überwinden, und setzen auf eine Kombination aus Prävention, Hilfe und klaren ordnungspolitischen Rahmenbedingungen.
Wir wollen insbesondere die Verhinderung von Wohnungsverlust stärken, etwa durch frühzeitige Unterstützung bei Mietproblemen und den Ausbau von Maßnahmen im Vorfeld von Zwangsräumungen. Gleichzeitig müssen Angebote für besonders vulnerable Gruppen wie Jugendliche und Familien gezielt erweitert werden.
Der Housing-First-Ansatz bleibt ein wichtiger Baustein, kann jedoch nur mit ausreichend Wohnraum erfolgreich sein. Deshalb sehen wir den Wohnungsbau als zentrale Voraussetzung sozialer Politik. Ergänzend werden flexible Zwischenlösungen geprüft, um akute Notlagen kurzfristig zu entschärfen.
Sozial angemessene Wohnverhältnisse sichern
Schwierige Wohnsituationen in einzelnen Quartieren erfordern gezielte Maßnahmen. Positive Beispiele zeigen, dass durch Zusammenarbeit zwischen Stadt und privaten Eigentümern deutliche Verbesserungen erreicht werden können.
Wir wollen solche Modelle systematisch auf weitere Problemimmobilien übertragen, klare Schwerpunkte definieren und gezielt Anreize für Investitionen in sozialverträgliche Wohnverhältnisse schaffen.
Gesundheit, Pflege und Prävention stärken
Mit einer älter werdenden Bevölkerung steigt der Bedarf an Unterstützung, Pflege und medizinischer Versorgung. Unser Ziel ist es, den Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Umfeld zu erhalten.
Dazu gehören der Ausbau ambulanter und präventiver Angebote, neue Wohnformen im Quartier sowie eine bessere Vernetzung bestehender Hilfsstrukturen. Übergänge – etwa nach Krankenhausaufenthalten oder aus psychiatrischen Einrichtungen – müssen stärker begleitet werden.
Zudem wollen wir die kommunale Gesundheitsversorgung stärker in den Fokus rücken, Präventionsangebote ausbauen und die Vernetzung medizinischer Einrichtungen verbessern. Auch bislang wenig beachtete Krankheitsbilder, wie z.B. psychische Erkrankungen, erfordern verlässliche Beratungs-Therapie und Unterstützungsangebote.
Seniorenpolitik weiterentwickeln
Die Seniorenpolitik bleibt ein zentraler Bestandteil sozialer Stadtentwicklung. Wir wollen sie auf Basis eines neuen Seniorenplans weiterentwickeln, der gemeinsam mit den Betroffenen erarbeitet wird.
Das Quartier bleibt dabei der zentrale Ansatzpunkt. Angebote werden wohnortnah, vielfältig und generationenübergreifend ausgestaltet – von Begegnungsformaten bis hin zu Unterstützungsangeboten im Alltag. Wir wollen die Beteiligungsmöglichkeiten über den Seniorenbeirat neu aufstellen.
Teilhabe konsequent verbessern
Menschen mit Behinderungen müssen gleichberechtigt am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilnehmen können. Dafür braucht es barrierefreie Infrastruktur, passende Bildungs- und Arbeitsangebote sowie vielfältige Unterstützungsstrukturen.
Wir setzen uns für eine stärkere Förderung von Inklusionsbetrieben, Werkstätten und integrativen Angeboten ein und wollen die Vielfalt der Lebensentwürfe stärker berücksichtigen.
Schutz vor Gewalt stärken
Der Schutz vor häuslicher Gewalt, insbesondere gegen Frauen, soll weiter verbessert werden. Neue gesetzliche Möglichkeiten wollen wir konsequent nutzen, um Hilfsangebote auszubauen und Versorgungslücken zu schließen.
Dazu gehört auch eine bessere Ausstattung von Frauenhäusern sowie eine langfristige Sicherung entsprechender Strukturen.
Familien gezielt unterstützen
Familien stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Wir wollen sie unabhängig von ihrer Lebensform gezielt unterstützen und bestehende Angebote weiterentwickeln.
Dazu gehört die Entwicklung eines umfassenden Programms „Familie 2035“, das bestehende Maßnahmen bündelt, weiterentwickelt und stärker am tatsächlichen Bedarf ausrichtet.
Zugang zu sozialen Angeboten erleichtern
Viele Menschen finden sich im bestehenden Hilfesystem nur schwer zurecht. Wir wollen deshalb die Informationsstruktur deutlich verbessern.
Ein einheitlicher, übersichtlicher digitaler Zugang, kombiniert mit persönlichen Anlaufstellen vor Ort, soll den Zugang zu Hilfe deutlich erleichtern. Ziel ist ein System, das verständlich, transparent und nutzerfreundlich ist.
Selbsthilfe stärken und ergänzen
Selbsthilfe ist ein wichtiger Bestandteil sozialer Unterstützung. Wir wollen bestehende Strukturen stärken, besser vernetzen und dort ausbauen, wo Lücken bestehen.
Gerade in Bereichen wie Pflege, Kinderbetreuung oder gemeinschaftlichem Wohnen kann organisierte Selbsthilfe einen wichtigen Beitrag leisten. Wir setzen uns dafür ein, dass die Landeshauptstadt Hannover hier koordinierend und unterstützend tätig wird.
Mobile Unterstützung ausbauen
Viele Menschen benötigen beim Übergang in ein eigenständiges Leben gezielte Unterstützung – etwa nach Obdachlosigkeit, Haft oder einem Aufenthalt in einer Einrichtung.
Wir wollen deshalb mobile Unterstützungsangebote ausbauen, die Menschen direkt in ihrem Wohnumfeld begleiten und so stabile Lebensverhältnisse fördern.
Sozialarbeit bedarfsgerecht weiterentwickeln
Soziale Problemlagen halten sich nicht an Öffnungszeiten. Wir wollen deshalb prüfen, in welchen Bereichen eine Ausweitung der Angebote sozialer Arbeit – auch in den Abend- und Nachtstunden – sinnvoll und notwendig ist.
Auf dieser Grundlage wollen wir gemeinsam mit den freien Trägern tragfähige Konzepte entwickeln.