Wenn Schwarzfahrt im Knast endet - CDU-Chef Dirk Toepffer fordert von der Üstra neue Maßnahmen gegen Schwarzfahrer.

Rund 120 Menschen im Jahr landen in Hannover wegen Schwarzfahrens im Gefängnis. Diese Zahl nannte die Justizvollzugsanstalt (JVA) jetzt auf NP-Anfrage – vor zwei Monaten hatte die JVA nur von 30 Häftlingen gesprochen. Die Gefangenen sind in einer Abteilung in Langenhagen untergebracht. Dort seien 20 der 67 Plätze für Kurzzeitstrafen ständig mit Schwarzfahrern belegt.

Es handelt sich um „Ersatzfreiheitsstrafen“, die Täter haben die verhängte Geldstrafe nicht bezahlt. „Die Dauer bewegt sich zwischen 20 und 160 Tagen“, sagt JVA-Sprecherin Kerstin Buckup. Ein Hafttag koste 80 bis 85 Euro. Buckup betont, im Vorfeld der Haft seien Alternativen geprüft worden – zum Beispiel, ob stattdessen gemeinnützige Arbeit abgeleistet werden kann. CDU-Chef Dirk Toepffer, der auch Vorsitzender des Rechtsausschusses des Landtages ist, forderte gestern, die Üstra müsse beispielsweise mit Drehkreuzen an den Haltestellen sicherstellen, dass nicht schwarzgefahren werde. Toepffer sagte der NP: „Es ist Aufgabe des Unternehmens, dafür zu sorgen, dass die Leistung bezahlt wird.“ Die Üstra könne das „nicht einfach auf den Staat abwälzen“. Wenn ein Kunde beim Tischler nicht bezahle, sei das auch kein Fall für den Staatsanwalt: „Die Handwerker würden sich freuen.“ Toepffer bezweifelte, dass es sinnvoll ist, Schwarzfahrer einzusperren. Es sei zu befürchten, dass die Haft solchen Gefangenen eher schade. „Der Straftatbestand ist nicht mehr zeitgemäß.“ Im vergangenen Jahr hat die Üstra 16 423 Schwarzfahrer angezeigt (siehe Interview unten). Die gehen dann in die Kriminalstatistik ein. Dadurch landet Hannover im bundesweiten Vergleich stets auf einem der vorderen Plätze. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich gestern zum Vorgehen der Üstra gegen Schwarzfahrer nicht äußern.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben