Unnötige Verlagerung des HLRN nach Göttingen

Gesamtwirtschaftlich wird es teurer und kostet Arbeitsplätze in Hannover

Die Niedersächsische Landesregierung verlagert 2018 den Standort des Norddeutschen Verbunds für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN) von Hannover nach Göttingen. Wir erklären Ihnen im Folgenden, warum das ein Skandal mit Verschwendung öffentlicher Gelder ist. Dafür greifen wir die Argumente der Niedersächsischen Landesregierung auf und diskutieren sie.

Argument niedriger Stromkosten, das gesamtwirtschaftlich keines ist.

Der IT-Referent im niedersächsischen Wissenschaftsministerium, berichtete gestern im Wissenschaftsausschuss des Landtages, dass als handfestes Argument jährliche um 240.000 Euro geringere Stromkosten (angeblich 26% günstiger) ein entscheidendes Kriterium waren für die Entscheidung pro Göttingen.

Auf Grund der Erfahrungen am bisherigen Standort Hannover erfordert die Schaffung der notwendigen Infrastruktur eines Hochleistungsrechners alleine für die Elektroinstallation und die Klimatechnik besondere Voraussetzungen, die vorhandene Rechenzentren in der Regel nicht erfüllen. Sofern diese Infrastruktur auch in Göttingen zu ähnlichen Kosten, wie in Hannover geschaffen werden muss, müssen ca. 7 Mio. Euro in Göttingen neu investiert werden. In Hannover steht diese Infrastruktur bereits.

Teilt man die Investitionskosten (Elektro, Klima, Räumlichkeiten) für die Verlagerung nach Göttingen durch die prognostizierten, angeblichen jährlichen Mehrkosten für Strom in Hannover, kann frühestens 2048 (in 30 Jahren) eine erste Ersparnis eintreten.

Eine bessere Gesamtwirtschaftlichkeit durch die Verlagerung nach Göttingen lässt sich nicht belegen.

Das Argument, Göttingen braucht das HLRN in räumlicher Nähe, ist angesichts eines schnellen Forschungsnetzes unbedeutend.

Weil also die niedrigeren Gesamtkosten bezogen auf die Gesamtkosten eine reine Milchmädchenrechnung sind, wird nun die angeblich bessere Forschungslandschaft in Göttingen, in deren Nähe des HLRN verlagert werden sollte, ins Feld geführt. Es gibt jedoch ein schnelles Deutsches Forschungsnetz (DFN), das nach eigenem Bekunden eine „beliebig hohe Bandbreite“ mit schnellsten Glasfaserverbindungen zwischen sogenannten Kernnetz-Standorten bietet. Weil Hannover und Göttingen Kernnetz-Standorte sind, werden Wissenschaftler in Göttingen nicht einmal feststellen können, ob das HLRN in Hannover, in Göttingen oder an einem beliebigen anderen Standort des Deutschen Forschungsnetzes steht.

Es gibt nach dem aktuellen Stand der Netzwerktechnik kein technisches und kein betriebliches Argument für die Standortverlagerung des HLRN nach Göttingen.

Zeitdruck? Die Verlagerung des HLRN nach Göttingen ohne Ausschreibung mit   Kriterien in einem Punktekatalog!

Wenn die Verlagerung des HLRN von nach Göttingen auf Jahrzehnte unwirtschaftlich sein wird und weil es bei schnellster Internetverbindung zwischen Göttingen und Hannover auch keine technische Erfordernis für Standortveränderungen gibt, die Frage: Gibt es andere Kriterien für die Standortverlagerung?

Hier wird für einen von Göttingen seit 2014 betriebenen Verlagerungsprozess nun vom Wissenschaftsministerium gesagt, die Zeit drängt, weil im September 2015 ein Antrag gestellt werden muss. Deshalb ginge ein Bewerbungsverfahren zwischen den Standorten aus zeitlichen Gründen nicht mehr.

Fazit: Es ist ein Skandal einer teuren und intransparenten, rot-grünen  Landespolitk!

Nichts spricht gegen einen fairen Wettbewerb zwischen den niedersächsischen Forschungseinrichtungen - auch an verschiedenen Standorten. Bei der Verlagerung des HLRN von Hannover nach Göttingen fehlt ein geordnetes, transparentes und damit faires Vergabeverfahren.

Mit einfachen Überlegungen haben wir aufgezeigt, dass die Begründungen der Niedersächsischen Landesregierung für die Verlagerung des Verbunds für Hoch- und Höchstleistungsrechnen (HLRN) von Hannover nach Göttingen widerlegbar sind. Auf Jahrzehnte hinaus muss diese Verlagerung unwirtschaftlich sein. Dank schnellster Datenverbindungen zwischen Hannover und Göttingen im Deutschen Forschungsnetz (DFN) ist eine räumliche Nähe von Hochleistungsrechnern zu Forschungseinrichtungen in Göttingen überhaupt nicht erforderlich. Es gibt keinen festen Punktekatalog, nach dem mit einheitlichen Kriterien die Standorte Hannover und Göttingen verglichen werden.

Dass der ehemalige Oberbürgermeister von Hannover, Stephan Weil (SPD), der immer betont hat, er wolle sich für die Kommunen einsetzen, als Minsiterpräsident tatenlos zusieht, wie in seiner Heimatstadt völlig unbegründet und unnötig Arbeitsplätze im Bereich Forschungsdienstleistung wegfallen, ist ein Skandal. Dass Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), der den Hochschulstandort Hannover oft genug in den Vordergrund stellt, tatenlos schweigt, ist gleichfalls ein Skandal.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben